Wie hoch ist das Risiko für die seltenen Nebenwirkungen?

Bis zum 21. April und nach knapp 4,8 Millionen verimpften Dosen Vaxzevria wurden dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Deutschland 34 Fälle einer Hirnvenenthrombose mit gleichzeitigem Blutplättchenmangel gemeldet. Bei weiteren 29 Menschen trat eine Thrombose ohne gesicherten Blutplättchenmangel auf. Ein Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit, beim Lottospielen fünf Richtige zu tippen, liegt deutlich höher. Das Risiko, an der Komplikation zu sterben, ist sogar noch deutlich geringer...Der Experte für Risikokommunikation Gerd Gigerenzer ordnete das in einem ZEIT ONLINE-Interview wie folgt ein: "Das [...] Risiko von drei Todesfällen pro einer Million Impfungen mit AstraZeneca entspricht etwa dem Risiko, innerhalb eines Jahres durch einen abgelenkten Autofahrer ums Leben zu kommen."

 

 

Wichtig ist, dass die Komplikation in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich häufig vorkommt: Europaweit, das zeigen Daten der Europäischen Arzneimittel-Agentur Ema, waren 20- bis 49-Jährige etwa fünfmal so häufig von den seltenen Nebenwirkungen betroffen wie über 80-Jährige. Bei 20- bis 29-Jährigen trat etwa ein Fall auf 53.000 Impfungen auf, bei 40- bis 49-Jährigen ein Fall auf 47.000. Unter den über 80-Jährigen war dagegen nur einer von einer Viertelmillion betroffen. 

 

 

Wie stehen Risiko und Nutzen der Impfung im Verhältnis zueinander?

Für eine Risikoabschätzung muss man Nutzen gegen Risiken abwägen. Dabei fällt vor allem eines ins Gewicht: Ältere Menschen sind nicht nur seltener von der Hirnvenenthrombose mit Blutplättchenmangel betroffen, sie haben auch ein deutlich höheres Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen Covid-19-Verlauf. In anderen Worten: Je älter ein Mensch ist, desto eindeutiger fällt die Risiko-Nutzen-Abwägung aus.

 

Ein Beispiel: Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 und 100.000 geimpften 20- bis 29-Jährigen verhindert Vaxzevria sechs Einweisungen auf die Intensivstation, während in der gleichen Altersgruppe 1,9 Thrombosefälle auftreten würden. Bei 30- bis 39-Jährigen steigt die Zahl auf acht verhinderte Intensivaufenthalte gegenüber 1,8 Fällen von Thrombose. Unter 40- bis 49-Jährigen können 15 Einweisungen abgewendet werden, während 2,1 Thrombosefälle auftreten würden. Je älter, desto größer also der Unterschied – das wird bei über 80-Jährigen deutlich: Bei ihnen stehen 110 verhinderte Intensivaufenthalte 0,8 Thrombosefällen gegenüber.

Quelle: Zeit online

Von Dr. Jakob Simmank und Tom Kattwinkel

28. April 2021, 20:54 Uhr

letzte Bearbeitung: 01.04.21